Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist Stress zu einem der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts geworden.

„Stress ist lebensnotwendig und eine ganz natürliche Reaktion des Körpers auf Druck, Spannung und Veränderung.“ Den Begriff Stress prägte Dr. Hans Seyle 1936 (lat. Stringere: anspannen)

Diese Stress-Reaktion haben wir von unseren Vorfahren, den Steinzeitmenschen, geerbt. Bei einem unbekannten Geräusch im Gebüsch mussten diese blitzschnell reagieren, denn ihr Leben konnte in Gefahr sein. Eine Alarmreaktion wird im Körper ausgelöst Während dieser Reaktion ist der Körper zu Höchstleistungen fähig, das geistige Denken wird dabei aber eingeschränkt. Schnelle Entscheidungen mussten getroffen werden (fight or flight). Bei einer Stressreaktion werden im Körper Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol erhöht. Die Folge davon ist: Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Blutzucker, Temperatur und Muskelspannung steigen. Nachdem der Steinzeitmensch die Gefahr gebannt hatte, konnte er sich wieder entspannen und die Körperfunktionen regulierten sich wieder.

Doch sehen wir uns jetzt einmal einen „normalen“ Tagesablauf von heute an: Morgens klingelt der Wecker. Wir wachen meist noch müde auf, weil wir schlecht oder zu wenig geschlafen haben. Die Kinder werden aufgeweckt, für die Schule fertig gemacht. Wir gehen duschen, ziehen uns an, schnelle Frühstück, wenn überhaupt, dazwischen ein Blick aufs Smartphone. Danach Hektik im Straßenverkehr auf dem Weg zur Arbeit. Am Arbeitsplatz wartet auch wieder jede Menge Arbeit auf einen. Nach Feierabend die Kinder von der Kita abholen, eventuell noch einkaufen gehen. Abendessen zubereiten, die Probleme des Partner anhören, die Kinder ins Bett bringen. Dann haben wir Zeit für uns. Meist verbringen wir diese vor dem Fernseher und zappen durch die Programme, beantworten zwischendurch Mails und Nachrichten auf dem Smartphone und gehen irgendwann zu Bett. Dort liegen wir dann noch einige Zeit wach, weil wir nicht einschlafen können.

Der Körper ist den ganzen Tag auf Hochtouren gelaufen, wir hatten Stress. Wir hatten keine Zeit zum Entspannen und der Körper konnte sich nicht regulieren.Daraus resultiert ein Gefühl von innerer Unruhe, Angst oder Panik. Langfristig führt dies bei andauerndem Stress zu einer Schwächung der Nebenniere. Dies wiederum hat chronische Erschöpfung und Schwächung des Immunsystems zu Folge, was zu ganz unterschiedlichen Erkrankungen führen kann.

Wir können zwischen guten (Eustress) und schlechtem Stress (Distress) unterscheiden. Positiver Stress macht unsere Leben spannend, wir sind für kurze Phasen unter Anspannung, können danach aber wieder in die Entspannung finden. Als Distress wird der Dauerstress beschrieben, der nach einer Zeit krank macht. Jedoch unterscheidet man in der Psychologie von heute nicht mehr guten und schlechten Stress. Es gibt nur noch einen Stress, ausschlaggebend ist, wie wir diesen bewältigen (Coping). Angepasste Coping-Strategien sind wichtig um wieder in ein Gleichgewicht zu finden und um Körper und Geist gesund zu halten.